One Moment in Time

Es war tatsächlich noch vor meinem Urlaub, am Samstag, glaube ich. Ich war so seltsam gut gelaunt, so verflucht glücklich und frei wie seit vielen Jahren nicht mehr. Es war warm, die Sonne schien und ich war in der Stadt, einfach nur so. Barfuß durch die Straßen, Sonnenlicht und Schatten und Menschen die vorbeieilten. Hinein in die Kaufhäuser, wieder hinaus, ein Baguette auf der Straße. Gott, ich hätte mich so gerne betrunken, es war der Tag dafür.
Er war perfekt, so perfekt wie die Niemalsmädchen mit ihren mageren Beinen, die an mir vorübergingen.
Und ich wusste, dass ich an diesem Tag, trotz meines Aussehens, einfach alles hätte erreichen, alles hätte schaffen können was ich mir gewünscht hätte.
Ich hätte jeden mitgerissen, begeistert, verzaubert, wie Saruman, mit meiner Stimme.
Es war noch so als ich bei OBI war und dieses unverkäufliche Bild bekommen habe, zu einem Schnäppchenpreis auch noch, weil ich die Verkäuferin bezirzt habe.
Und dann war der Tag wieder vorbei, und das Feuer erloschen. Der Urlaub, lustig und doch anstrengend, den viel zu weiten, zu hohen Pfaden folgend, in einer lieblichen Landschaft. Fachwerkhäuser, grüne Blätterdächer über mir, Nebel hoch oben auf dem hohen Meißner.
Alte Stadtmauern winden sich um verträumte Kleinstädte, deren Namen ich noch niemals vorher gehört habe. Regen, böse Kälte und auch Sonnenschein, und viel zu kurze Nächte.
Manchmal frage ich mich warum niemand in meine Seele sieht, sondern bloß mein froschiges Äußeres, aber ich tue das ja auch.
Magermädchen mit Armen Beinen, Knochen und einem Schlüsselbein. Interessiert mich ihr Inneres? Anfangs nicht besonders, ehrlich gesagt.
Keine Ahnung, mein Leben ist seltsam. Ich bin seltsam. Weiß nicht was ich will, weiß nicht wer ich bin.
Ich tanze unter einem bunten Regenbogen fort in die Nacht, und bin glücklich und unglücklich zugleich.
Wir mich jemals jemand, wird mich etwas jemals berühren können?
Ich glaube es nicht.
Vielleicht liegt es an mir…. .

3 Kommentare 16.5.12 13:11, kommentieren

Abwesendheitsmeldung

Der Frosch ist vom 05.05.-13.05. nicht erreichbar und kann auch definitiv nicht ins Netz gehen. Alle Blog- und Niemalsmädchen und Prinzessinnen müssen deswegen gut auf sich aufpassen und dürfen keinen Unsinn machen. Oh, nein. Liebe Grüße!

10 Kommentare 3.5.12 07:50, kommentieren

Träume von früher...

Machmal singe ich das so vor mich hin. Es ist so melancholisch.
So wahr. So jung.
Ich war noch nicht mal geboren als er es geschrieben hat.
Fuck, und jetzt werde ich alt.
Komisches Leben, irgendwie:

Bob Dylan´s Dream

While riding on a train goin' west
I feel asleep for take my a rest
I dreamed a dream that make me sad
Concerning myself and the first few friends I had.

With half-damp eyes I stared to the room
Where my friends and I spent many an afternoon
Where we together weathered many a storm
Laughin' and singing 'till the early hours of the morn'.

By the old wooden stove where our hats was hung
Our words were told, our songs were songs
Where we longed for nothin' and were satisfied
Joking and talking about the world outside.

With haunted hearts through the heat and cold
We never thought we could ever get very old
We thought we could sit forever in fun
Our chances really was a million to one.

As easy it was to tell black from white
It was all that easy to tell wrong from right
And our choices they were few and the thought never hit
That the one road we traveled would ever shatter and split.

How many a year has passed and gone
Many a gamble has been lost and won
And many a road taken by many a first friend
And each one I've never seen again.

I wish, I wish, I wish in vain
That we could sit simply in that room again
Ten thousand dollars at the drop of a hat
I'd give it all gladly if our lives could be like that.

(Bob Dylan, 1963)

 



11 Kommentare 25.4.12 14:44, kommentieren

Gute Nacht Welt!

Irgendwie kann ich nicht einschlafen. Ich denke daran wie ich vor Jahren ein Gute-Nacht-Lied eingestellt habe, für die die es lesen würden.
So viele Gedanken in meinem Kopf, ich weiß nicht wohin damit. Zwei Baldrian-Hopfen-Tabletten genommen, vielleicht schlafe ich ja dann.
Ich sehe mich barfuß durch die Stadt laufen, zu Saturn gehen, die Einkaufsstraße entlang. Ich mache das oft, und ich habe mich daran gewöhnt dass ich der einzige bin. Es ist als würde ich unter einer Glasglocke wandern, so ganz in mir versunken, und doch alle Sinne gerichtet auf die Welt. Ich bin allein, irgendwie, so seltsam anders. Nicht mal die die mir am nächsten sind verstehen mich, oder tolerieren was mir wichtig ist.
Ich bin anders als alle, denke anders, fühle anders. Manchmal reißt mein Humor alle mit, ich habe ein Talent Dinge in andere Zusammenhänge zu stellen. Die meisten mögen mich deswegen.
Aber die andere Seite, die kennt keiner.  Ich will nicht immer erklären warum. Ich will sein. Ich sein.
Frei sein. Aber ich bin einsam inmitten von Menschen, von Freunden. Schon komisch, dieses Leben.
Naja, Zeit schlafen zu gehen. Gute Nacht Blogmädchen. Gute Nacht John-Boy.
Gute Nacht Welt!

 



16 Kommentare 22.4.12 01:57, kommentieren

Milchsuppe und geriebene Äpfel

Ich erinnere mich daran dass meine Mutter früher eine Reibe aus Glas hatte, mit der sie manchmal Äpfel für mich zerkleinerte. In der Mitte war so eine geriffelte Erhöhung an der man die Äpfel rieb, und der Mus fiel dann zur Seite und wurde von diesem Teil aufgefangen.
Seltsamerweise schmeckten diese geriebenen Äpfel viel besser und süßer als die ganzen Früchte, ich mochte das total gern, auch dieses komische Glasteil, irgendwie.
Abends kochte sie dann oft Milchsuppe für mich, mal mit Gries, mal mit Vanille, und weil sie so heiß war schlug sie immer mit dem Löffel hinein. Die großen Blasen, die dabei entstanden, waren die Eltern, und die kleinen waren die Kinder, die zur Schule gingen.
Irgendwie sind das schöne Erinnerungen.
Wir hatten auch eine „Höhensonne“, das war ein hellblaues Ding zum Aufklappen, das UV-Licht verstrahlte. Abends musste ich mich mit freiem Oberkörper auf ihren Schoß setzen und bekam eine schwarze Brille aufgesetzt, die zu diesem Teil gehörte.  Dann wurde es auf „Sonne“ geschaltet und angestellt, und die Zeitschaltuhr musste gedreht werden. Sie begann dann zu laufen, und am Ende wurde sie ganz schnell und sprang mit einem lauten „Ping“ in die Ausgangsstellung zurück.
Man konnte mit diesem Ding auch Rotlicht machen, da waren zwei Keramikstäbe an den Seiten, die dann rot wurden und sich erhitzten.
Und eine Heizdecke gab es, mit so einem 50er-Jahre-Schalter an der Seite.
Und manchmal, wenn ich krank war, bekam ich eine Wärmflasche mit ins Bett.
Meine Mutter konnte gut Pudding kochen, so mit Eischnee darunter gehoben, wenn er noch warm war. Manchmal machte sie das auch mit der Vanillesoße, das hat umwerfend lecker geschmeckt.
Ich war ganz glücklich als Kind, ich glaube bis die Kindergartenzeit begann und sich alles änderte. Vermutlich wäre ich ganz anders geworden wenn ich die Chance gehabt hätte so zu bleiben wie damals.
Meine Mutter hat mich immer mehr geliebt als meinen Bruder, auch heute noch, aber sie hat auch etwas Angst vor mir, weil ich so bin wie mein Vater.
Gerade ist sie im Krankenhaus, und ich hole sie nachher ab und fahre sie nach Hause. Bald muss sie wieder hin, wegen dem Rücken.
Sie ist klein und gebrechlich geworden, und ich bin erwachsen.
Manchmal ist es schwierig mit ihr, sie ist so unterwürfig gegenüber allen, sie sagt nie ihre Meinung oder wehrt sich. Mich strengt das an, ich kann damit sehr schlecht umgehen. Dann entschuldigt sie sich dauernd für irgendwas und jammert wenn man etwas für sie tut.
Naja, sie ist eben alt.
Als ich die Katze versorgte habe ich für einen Moment auf ihrem Bett gelegen und die Augen geschlossen. Da war diese Stille in ihrer Wohnung, und die Sonne schien durch das Fenster. Ich wusste dass sie hier lebt. Ohne meinen Vater. Ohne uns Kinder. Es war ein seltsames Gefühl.
Traurig, irgendwie.

8 Kommentare 18.4.12 11:41, kommentieren

Muss das sein?

Ja, wirklich, muss das sein dass die Niemalsmädchen immer so herumlaufen mit ihren mageren Beinen und dann immer noch solche Hosen anziehen wo die Beine besonders mager wirken?

Müssen sie so blass und niemals sein, und manchmal auch noch ihr Schlüsselbein sehen lassen?

Ganz zu schweigen von den Armen und den Fingern, mit denen sie seltsame Sachen festhalten, Einkaufstüten zum Beispiel?

Ich bin für ein Ausgehverbot für Niemalsmädchen, sie sollten sich nirgends sehen lassen dürfen.

Ist ja auch böse und ungerecht dass sie so perfekt sind.

Manche haben auch Augen, mit denen schauen sie dann umher, oder rote Lippen, die bewegen sich beim Sprechen.

Ein echtes Wunder der Perfektion, wirklich. Oh, toll.

Und bei Wind fliegen sie nicht weg, das verstehe mal jemand.

Aber muss das vor meiner Nase sein? Sie könnten doch in Niemalsmädchenreservaten leben.

Sie könnten dort arbeiten, essen und perfekt aussehen, und hier gäbe es nur eklige Looser und Frösche.

Und niemand dürfte mit ihnen sprechen, hier nicht und dort nicht, denn manche haben gewiss Niemalsmädchenstimmen, und dann ist man verloren wenn man ihnen zuhört.  Sie sind also gefährlich. Sie verstärken Depressionen, sie machen unglücklich.

Und es ist bei Strafe verboten sie einzufangen und mitzunehmen.

Manchmal ist alles ziemlich schrecklich, finde ich.

Oh ja!

 


11 Kommentare 17.4.12 14:54, kommentieren

The End

Am Ende werde ich wissen was falsch gelaufen ist. Ich werde auf mein Leben zurückblicken und erkennen dass ich vieles was unheimlich wichtig war als selbstverständlich hingenommen und nicht mehr gesehen habe. Ich werde feststellen dass ich meine Zeit nicht mit den Menschen in der Wirklichkeit, die mich gebraucht und geschätzt haben, sondern mit mir allein verbracht habe.

Ich werde erkennen dass ich sinnlosen, ja sogar oft schlechten Dingen hinterhergerannt bin, die für mich eine so große Bedeutung hatten.

Ich werde sehen dass mein Verlangen Böses zu tun mindestens genauso stark gewesen sein wird wie mein Wunsch zu heilen und zu helfen.

Vielleicht verstehe ich all die Nichtigkeiten dann besser, die mich davon abhielten mich auf eine Blumenwiese zu legen und den Wolken zuzusehen.

Zu wenig gesprochen, über das was ich wirklich denke. Zu wenig von dem sichtbar gemacht was ich bin.

Zu viel Sehnsucht nach Dingen die nicht gut für mich waren, zu viel Feigheit. Nicht mal genug Mumm um Böses zu tun. Langweilig.

Nicht geworden was ich hätte sein können, sein müssen. Nie wirklich in der Welt. Worte. Träume, Gedanken.

Ich sitze in einem Zug und sehe die Landschaft vorbeiziehen, Felder und grüne Hügel und Himmel. Niemals verlasse ich den Zug, ich bin ein Reisender der nirgendwo ankommt. Und ich riskiere mein Leben für ein Lächeln.

Wie dumm kann man sein?



10 Kommentare 12.4.12 13:14, kommentieren